Reifen-Performance und Grip bei Nässe

Wer schon einmal das ziemlich zweifelhafte Vergnügen hatte, bei Regen mit Slicks auf der Rennstrecke unterwegs zu sein, wird sich wohl kaum darum reißen, diese Erfahrung regelmäßig machen zu müssen. Und auch mit Semislicks ist das Fahren auf nasser Fahrbahn kein Spaß.


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Das Profil von Semislicks verfügt naturgemäß über einen sehr hohen Positivanteil, um möglichst viel Grip aufzubauen. Bei trockener Strecke funktioniert das auch. Doch bei nassem Asphalt können die Reifen das Wasser nicht mehr vernünftig verdrängen, der Reifen kann nur noch sehr bedingt Kräfte übertragen: Bremsen und Kurvenfahrten werden dann kritisch. Deutlich besser als Slicks und Semislicks funktionieren im Regen UHP-Reifen. Verantwortlich dafür ist insbesondere der hohe Negativanteil ihres Profils.

Grundsätzlich beeinflussen vor allem zwei wichtige Hebel die Performance von Reifen bei Nässe: Neben der Gummimischung sind das die Aufstandsfläche der Reifen und das Profildesign.

Profildesign: Ein komplexes System aus Profilrillen und -blöcken entscheidet über den Kontakt zur Straße. Die Rillen sorgen dafür, dass das Wasser aus der Aufstandsfläche gezielt abgeleitet wird. Die Kanten der Lamellen durchschneiden den Wasserfilm und ermöglichen so einen direkten Kontakt des Gummis mit der Straßenoberfläche.

 

Reifenaufstandsfläche: Auf nasser Straße beeinflusst die Form der Aufstandsfläche und insbesondere die Form der „Führungskante“ dieser Fläche, wie das Wasser von der Aufstandsfläche weggeleitet wird. Eine runde Aufstandsfläche leitet das Wasser zu den Seiten und über die Außenkanten der Aufstandsfläche weg, während eine eher eckige Gestaltung der Aufstandsfläche das Wasser nach vorn leitet und einen sogenannten „Bugwelleneffekt“ verursacht. Außerdem sorgt der Unterbau des Reifens (Karkasse) für eine gleichmäßige Druck- und Lastverteilung über die gesamte Aufstandsfläche.

Übersicht über die Performance-Kriterien:

Wie Semislicks im Vergleich zu gewöhnlichen UHP-Reifen bei Nässe funktionieren zeigt ein Sommerreifen-Vergleichstest der Zeitschrift „sport auto“ (Ausgabe 4/2018, Testfahrzeug: BMW M2).

Beim Bremsen aus 80 km/h auf null hängen gewöhnliche Sommer-, bzw. UHP-Reifen Semislicks deutlich ab.

Bild: Semislicks.de, Daten: „sport auto“ (Ausgabe 4/2018)

Den Semislicks im Test (Michelin Pilot Sport Cup 2, Toyo Proxes R888, Pirelli P Zero Trofeo R) fehlen rund 8 bis 13,5 Meter auf den Top-Wert. Auch in Sachen Seitenführung, also der Kraftübertragung bei Kurvenfahrt im Nassen, sind Semislicks komplett überfordert.

Bild: Semislicks.de, Daten: „sport auto“ (Ausgabe 4/2018)

Gewöhnliche UHP-Reifen bauen im Nassen deutlich höhere Seitenführungskräfte auf. Bei der maximalen Querbeschleunigung in m/s² schneiden die drei Semislicks deutlich schlechter ab.

Auch auf dem Handlingkurs zeigt sich, dass die UHP-Reifen deutlich besser im Nassen funktionieren. Auf der 2,3 Kilometer langen Strecke sind die schnellsten UHP-Reifen, der Nankang Noble Sports NS-20 (Rundenzeit 1:42,99) und der Falken Azenis FK510 (1:46,98), deutlich schneller als die Semislicks: Der Toyo Proxes R 888 benötigt für die 2,3 Kilometer 2:00,34, der Pirelli P Zero Trofeo R 1:59,13. Der Michelin Pilot Sport Cup 2 ist mit einer Rundenzeit von 1:53,26 deutlich schneller als die anderen Semislicks – aber immer noch langsamer als alle UHP-Reifen.

Bildmaterial: Michelin und Semislicks.de