Test: Bridgestone Potenza Race

Mit dem Potenza Race hat Bridgestone seit Sommer 2022 einen neuen Semislick im Programm. In unserem Test schauen wir, was der Bridgestone Potenza Race kann – und ob er schneller als der Platzhirsch Michelin Pilot Sport Cup 2 ist.

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Einer der letzten schönen Tage des Jahres mit für Semislicks optimalen Temperaturen: Perfekt für den lang ersehnten Test des Bridgestone Potenza Race. Auf der Straße fuhr sich der neue Bridgestone-Semi bereits viel versprechend. Und die Damen und Herren bei Bridgestone selbst waren sehr überzeugt von der Performance ihres ersten speziell für die Rennstrecke entwickelten Reifens, der mit seiner Lauffläche durchaus an den Michelin Pilot Sport Cup 2 und den Goodyear Eagle F1 Supersport R erinnert. Die zwei Hauptwettbewerber konnte der Bridgestone-Semi genauso wie den Pirelli P Zero Trofeo R in einem ersten Test bereits deutlich hinter sich lassen: Im Rahmen eines Tests des Tüv Süd im Auftrag von Bridgestone war der Potenza Race auf der Teststrecke von Nardo (6,1 Kilometer) mehr als 2 Sekunden pro Runde schneller. Entsprechend gespannt sind wir auf unseren eigenen ersten Rennstrecken-Test des Bridgestone Potenza Race.

Bridgestone Potenza Race: Test auf dem Nürburgring

Reifen: Bridgestone Potenza Race
Größe: 235/40 R18
Testfahrzeug: Honda Civic Type R (FK8)

Bridgestone Potenza Race Semislick

Als wir mit unserem Honda Civic Type R im „Alten Fahrerlager“ des Nürburgrings vorfahren, müssen wir feststellen, dass wir nicht die Einzigen sind, die das Wetter noch einmal für einen zünftigen Rennstreckenbesuch nutzen wollen. Ein paar Meter weiter an der Touristenfahrten-Einfahrt zur Boxengasse hat sich eine rund 200 Meter lange Schlange gebildet. Mit Pkw wohlgemerkt. Die Schlange der Motorradfahrer ist deutlich kürzer, gleicht dafür aber einem Knäuel bestehend aus gleich Dutzenden Zweirad-Enthusiasten.

Bedeutet für uns: Ein Semislick-Test unter herausfordernden Voraussetzungen. Da muss alles passen: Angesichts der knappen Zeit auf der Strecke müssen der Reifendruck sofort hinhauen und die Reifen schnell auf Temperatur kommen. Auch die Messungen müssen präzise und fix sein. Und fahren sollten wir schließlich auch noch. Letztlich soll es lediglich zu zwei Stints reichen, bevor die GP-Strecke geschlossen wird.

Sehr früh hohes Grip-Niveau

Umso erfreuter stellen wir fest, dass uns der Potenza Race mit einer besonderen Eigenschaft aus der Patsche hilft: Der Reifen ist nämlich extrem schnell auf Betriebstemperatur. Bereits in der ersten Runde zeigt die leicht angewärmten Reifen ein rapide zulegendes Grip-Niveau. Bereits zu Beginn der zweiten Runde auf der kurzen Sprint-Variante der Nürburgring-Grand-Prix-Strecke stehen gefühlt fast 100% des maximal möglichen Grips zur Verfügung. So fassen wir direkt viel Vertrauen in den Reifen und können – im Rahmen der Möglichkeiten bei viel Verkehr auf der Strecke – weiter pushen.

Im weiteren Verlauf unseres ersten Stints beeindruckt der Bridgestone Potenza Race mit einem gleichbleibend hervorragenden Grip-Niveau und hohen Kurvengeschwindigkeiten. Subjektiv liegen diese über denen des Michelin Pilot Sport Cup 2, den wir an gleicher Stelle ebenfalls bereits auf dem Type R testen konnten.

Bridgestone Potenza Race beeindruckt mit viel Präzision und hohen Kurvengeschwindigkeiten

Ebenfalls beeindruckend: Die exzellente Präzision, die der Reifen auch dank der relativ steifen Flanke bietet. Damit lässt sich das Auto beherzt in sämtliche Kurven werfen, sodass es eine wahre Freude ist. Erst gegen Ende unseres zweiten Stints nehmen der Grip auf der Vorderachse und die Präzision etwas ab. Hier schleicht sich dann langsam eine höhere Untersteuertendenz ein. Die aber (zugegeben) auch am – infolge der gestiegenen Reifentemperaturen – inzwischen recht hohen Luftdruck liegen kann. Den in der Praxis auf dem Type R passenden, wirklich optimalen Warm-Luftdruck konnten wir aufgrund des Zeitdrucks nur bedingt erfahren.

Da ist es umso wichtiger, besonders viele Vertrauen in seinen Reifen zu haben. Und das ist beim Potenza Race tatsächlich der Fall: Insgesamt fährt er sich nicht nur schnell und präzise. Neben seiner hohen Präzision können wir erwartungsgemäß auch eine sehr gute Rückmeldung feststellen: Du weißt jederzeit, was der Reifen macht. Der Grenzbereich ist dabei sehr breit, der Reifen stets einfach beherrschbar.

Bestätigen die Zahlen den subjektiven Eindruck?

Als der Nürburgring bereits in das warme, goldgelbe Licht der Abendsonne getaucht wird, ist es Zeit für die Wahrheit: Können die gemessenen Daten den überaus positiven subjektiven Eindruck bestätigen?

Ja, sie können. Und da wir ein Jahr zuvor bei sehr ähnlichen äußeren Bedingungen auch den Michelin Pilot Sport Cup 2 auf dem Civic testen konnten, liegen uns vergleichbare Daten des Platzhirschen vor.

Zunächst berechnen wir die theoretische Bestzeit aus den schnellsten Sektorenzeiten, um störende Effekte aus dem starken Verkehr auf der Strecke zu eliminieren und die wirklich schnellste Zeit zu ermitteln. Auf der 3,629 Kilometer kurzen GP-Sprintstrecke des Nürburgrings ist der Bridgestone Potenza Race tatsächlich 0,4 Sekunden schneller als der Michelin Pilot Sport Cup 2 (Daten aus 2022, ebenfalls theoretische Runden-Bestzeit).

Dabei ist der Bridgestone-Semislick ist fast allen Kurven etwas schneller als der Michelin. So etwa in Sektor 2: In jeder der drei Kurven zwischen Goodyear-Spange und Bilstein-Bogen ist der Bridgestone Potenza Race 1 bis 2 km/h schneller als sein Haupt-Konkurrent. Eine starke Performance!

Fazit: Schneller als der Michelin Pilot Sport Cup 2

Damit können wir ein ausgesprochen positives Fazit ziehen: Der Bridgestone Potenza Race überzeugt nicht nur subjektiv mit hohem Grip, höchster Präzision und hervorragender Rückmeldung. Auch die Daten sprechen eine deutliche Sprache: In Kurven ist der Bridgestone eine Idee schneller als der Michelin Sport Cup 2 – und in Summe 0,4 Sekunden pro Runde.

Einziger Wermutstropfen ist der Preis: Online kostet der Bridgestone Potenza Race (Daten Reifen.com, 02.11.2023) in der Dimension 235/40 ZR18 254,03 Euro. Der Michelin Pilot Sport Cup 2 Connect ist rund 20 Euro günstiger (234,51 Euro).

Der Frage, ob die erstaunlich hohe Performance des Bridgestone Potenza Race möglicherweise zu Lasten der Haltbarkeit geht, werden wir im nächsten Jahr ergründen.

Bilder: Moritz Nolte, Racetracker.de